Rückblick: Kulturdialogische

Veranstaltungen des Jahres 2008

 

11. bis 26. Oktober 2008:

"Nachtflug"

Malerei von Anno Matthias Henke

traumhaft - narrativ, surreal - expressiv, kraftvoll - sensitiv

 

Wenn einer, während er träumt, weiß, daß er träumt, ist das ein Helltraum.
So geschieht es Anno Matthias Henke, in seinen nächtlichen Hellträumen
ffliegt er durch Metropolen und sieht klar auf die Wirklichkeit, auf die
Vielschichtigkeit des Lebens in den Städten. Was er schaut und sensitiv
einfühlt, läßt ihn nicht los, drängt darauf gemalt zu werden.
Henkes Malerei ist narrativ, erzählt besondere, bezeichnende Augenblicke
von Lebens-Geschichten. Sie ist surreal, seine Traumbilder berühren seelisch
und nehmen mit auf Gefühlsreisen. Und sie ist expressiv, das im Traum
überdeutlich Gesehene wird mit malerisch-technischer Perfektion,
großer Farbkraft und kraftvoller Formensprache über die Leinwand vermittelt. 
„Henkes Städte sind menschliche Ansiedlungen von großer
Anziehungskraft, die bewußte und unbewußte Dinge verbergen, sind
Stadtkörper, und die Leinwand selbst wird ein lebendiger Körper, der
Gefühle vermittelt.“ (Irene Zangheri)
Eine Malerei, deren Souveränität und Kraft an das Werk Daniel Richters erinnert.

Warum als Kulturdialog? Warum in einer Kirche? Weil diese Malerei durch
ihren kompromißlosen, unbedingten Anspruch, den sie künstlerisch einlöst, 
etwas Prophetisches und Visionäres hat, das in einem Gotteshaus einen stimmigen Ort finden kann.
Weil es Anno Matthias Henke offenen Auges um das unverstellte
Anschauen der Wirklichkeit geht. 
Und weil seine Kunst einen wertschätzenden Blick für die Würde der Menschen hat und  
diesen Blick mit den Betrachtenden und Mitträumenden teilt, in gemeinsamen Augen-Blicken. 
Aus kunsttheologischer Sicht wird hier anschaulich, 
woran Paul Tillich stets erinnerte: daß sich in der Kunst das
Unbedingte zeigen und ereignen kann,
das als das Signum des wahrhaft Religiösen gilt.

Eröffnung am 11. Oktober 2008, 20 Uhr

Der Künstler wird anwesend sein.

Hauptkirche St. Trinitatis Altona

Kirchenstraße 40

Eintritt: frei

Ausstellung vom 11. bis 26. Oktober 2008 

in den Öffnungszeiten der Kirche.

 

 

 Donnerstag, 23.10.2008, Beginn 20 Uhr

Richie Beirach  / Detlev Beier-Duo

Ein sehr besonderes Konzert im Rahmen der Reihe 

„Transformative Musik“


Der New Yorker Pianist Richie Beirach, Jahrgang 1947, gilt als einer der besten seines Faches, in allen Jazzstilen versiert und dazu mit einem Faible für osteuropäische Folklore und abendländische klassische Musik ausgestattet.

Er hat sowohl mit den „alten Hasen“ wie Stan Getz und Lee Konitz gearbeitet als auch in seiner langjährigen Zusammenarbeit mit David Liebman oder John Abercrombie Akzente in der modernen Klavierbehandlung setzen können.

Ein eigenständiger Komponist und Klangerweiterer, der sich auf die Tradition versteht und durch seine Unberechenbarkeit eine knisternde Spannung aufzubauen weiß. Wie kaum ein anderer vermischt er die Tonsprache der klassischen Moderne mit dem Jazz.

Als Partner zum Musizieren hat sich der Amerikaner den Deutschen Bassisten Detlev Beier an die Seite gestellt.

Es erwartet die Zuhörer Contemporary Jazz in Eigen- und freien Kompositionen im Dialog mit der Architektur gewordenen Musik und Spiritualität des Kirchenraumes.

Richie Beirach: Klavier
Detlev Beier: Kontrabaß

Hauptkirche St. Trinitatis Altona

Kirchenstraße 40

S-Bahn Königstraße + Reeperbahn

Eintritt: 12,00 € / ermäßigt 5,00 €

 

 

"7 Abende zu 7 Tagen der

menschlichen Wertschätzung"

Es ist fast eine tägliche Erscheinung unserer Medienlandschaft in der globalisierten Gesellschaft, daß bestimmte Menschen als Gruppen benannt und als negative Beispiele (oder als Opfer) hervorgehoben werden. Die Wirtschaftstheorie des Neoliberalismus führt zu immer weiterem Sozialabbau und zur Spaltung der Gesellschaft – und die Benennung und Bloßstellung von Menschengruppen dient als eine Art Blitzableiter für negative Gefühle wie Angst und Wut.

Die Kulturdialoge wollen ein Gegenzeichen setzen und bestimmte Menschen an je einem Abend besonders wertschätzen, ehren und würdigen. Denn jeder Mensch verdient zuallererst Respekt, und aus der positiven und liebevollen Beachtung durch andere leben wir alle. So soll jeweils ein Abend diesen Menschen gewidmet sein:

 

2. Juni 2008 – „Gott ist schön“

Ein Abend zu Ehren der muslimischen Mitbürger.

Ein Gesprächsabend mit Ali Özdil, Leiter des Islamischen Wissenschafts- und Bildungsinstituts, und Pastor Detlev Görrig, Beauftragter der Nordelbischen Kirche für den islamisch-christlichen Dialog. Die islamische Gemeinde in Altona (Hicret-Moschee) wird ein orientalisches Büffet vorbereiten.

 

20. August 2008 – 

„Du sollst Vater und Mutter ehren“ 

Ein Abend zu Ehren der alten Menschen.

Das Vierte Gebot beschreibt einen seelischen Generationenvertrag mit einer Verheißung: „auf daß du lange lebst auf Erden“. Das Miteinander von Alt und Jung ist eine entscheidende Beziehungswirklichkeit, die auch die Qualität der gesellschaftlichen Zukunft bestimmt. Wenn alte Menschen an den Rand gedrängt werden, ihre Erfahrung und Weisheit nicht mehr gefragt wird, verliert die ganze Gesellschaft.            

Es soll an diesem Abend um die Würde und Schönheit des Alters gehen, auch in Gebrechlichkeit und in der letzten Schwäche. Und um die politischen und sozialen Voraussetzungen für ein würdevolles Altsein. Ein Abend mit Photoausstellung, meditativer Musik und Gespräch.

Gäste: Herrmann Ehlers, Heimleiter der Pflegeheime der Stiftung Anscharhöhe, Pflegende, Bewohner und Bewohnerinnen der Pflegeheime und Herrn Senator Wersich.

 

9. September 2008 – „Kinderaugenblicke“

Ein Abend zu Ehren der Kinder.

Kinder der Kindertagesstätte an der Osterkirche haben ihre Lieblingsorte in Altona gemalt, und ihre Bilder werden ausgestellt zusammen mit Photos, die zeigen, wie die Eltern und Kinder den Spielplatz an der Osterkirche neu gestaltet haben. Wie sehen und erleben Kinder ihre Umwelt? Was brauchen sie, um zu selbstbewußten Menschen heranzuwachsen? Was tut ihnen gut? Ein Gespräch mit Natalie Agel, Leiterin der Kindertagesstätte, Mona Schewe-Buggea, in der Kita tätige Künstlerin, und für Kita-Fragen zuständigen Vertretern der Stadt.

Weitere Abende werden gewidmet sein: den Jugendlichen und Schülern - den Arbeitslosen - den Freiheits- liebenden und Unangepaßten.

Ort aller Abende:

Hauptkirche St. Trinitatis Altona

Kirchenstraße 40

 

„Katharsis“

Photographische Installation

von Michael Strauss und Janet Riedel

 

 

Ein bemerkenswertes Projekt im Rahmen des jüdischchristlichen und kunsttheologischen Dialogs, eine installative Arbeit zweier Photographen, im Kirchenraum der Hauptkirche St. Trinitatis Altona.

Die Installation Michael Strauss’ umfaßt 22 Bildtafeln im Format 1 x 1 Meter, die in 10 Metern Höhe in der Art eines Vorhanges (6 x 10m) angeordnet die hebräischen Buchstaben des Tetragrammatons, des unaussprechlichen Namens Gottes, bilden. Die Photographien bilden Orte des Heiligen in Palästina, Israel und Europa ab und versinnbildlichen so die Allgegenwart Gottes.

Zu dieser senkrechten Anordnung setzt sich die horizontale Installation Janet Riedels in Beziehung: 5 von innen beleuchtete Kästen, die, Gräber symbolisierend, photographische Arbeiten zu Stätten des Totalitarismus’ des 20. Jahrhunderts zeigen.

Die Inspiration zu den Bildmotiven ergab eine Reise entlang der Lebenslinie des ungarischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Imre Kertész, der als Jude die allumfassende Erfahrung des Ausgeliefertseins in totalitären Staaten gemacht hat. Versinnbildlichungen des Dämonischen begegnen solchen des Göttlichen.

In der Begegnung liegt die Möglichkeit zur „Katharsis“ im Sinne von: Wahrnehmung, Erkennen, Erinnern, Reinigung, Heilwerden. Darin liegt die besondere Behauptung dieser Installation.

Gezeigt vom 25.5. bis 22.6. 2008.

 

„Marx – Das Manifest“

Philosophieperformance nach der Methode des theatralen Philosophierens.

 „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“ Mit diesem berühmten Satz beginnt das Kommunistische Manifest, mit dem Karl Marx (zusammen mit Friedrich Engels) 1848 die Proletarier aller Länder von seinen Ideen zu überzeugen versuchte. Im Projekt „Marx - Das Manifest“ geht es darum, das Spannungsfeld zwischen dieser Kampfschrift und der Bedeutung „ewiger Wahrheiten“, der Religion und der Moral heute auszuloten: Was ist geblieben von jener Utopie des Aufbruchs in eine andere geschichtliche Entwicklung? Welche philosophischen Irrtümer und Weisheiten lassen sich diesem Gespenst in unserer aktuellen historischen Situation noch entlocken?

8 junge Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren haben im Rahmen dieses Projekts innerhalb von knapp vier Wochen in der Altonaer St. Johanniskirche eine gemeinsame theatralperformative Lesart des Kommunistischen Manifests erarbeitet. An diesem Ort präsentierten sie diese Lesart anschließend im Rahmen einer Performance. Dem für das Projekt ausgewählten (Kirchen-) Raum kam hierbei eine besondere Bedeutung zu: Das Projekt baute mithin Brücken zwischen Philosophie, Religion und Theater.

Träger des Projekts: Kirchenkreisprojekt „Kulturdialoge – Kirche in Altona“ gemeinsam mit der Kirchengemeinde Altona-Ost und Dr.Christian Gefert (Projektleiter).

Premiere: 28. August 2008

(weitere Aufführungen am 29., 30. und 31. August 2008)

in der St. Johanniskirche, Altona Max-Brauer-Allee