Christenpflicht

Der Pastor bloggt

Christenpflicht

„Euch linkes Pastorenpack kriegen wir auch noch" zischte ein Tourist im Vorbeigehen nach dem Gottesdienst. Da war ich noch ein junger Pastor und ahnte nicht, dass meine Predigten als „links" gehört werden könnten. Aber was hatte dieser Besucher von mir erwartet? Was wurde in seiner Heimatkirche gepredigt? – Inzwischen weiß ich mich mit dieser Art Kommentierung in prominenter Gesellschaft. Ich bin eher zufällig auf Reaktionen in der „Jungen Freiheit" gestoßen, die der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strom erzeugte, indem er kürzlich Seenotrettung als Christenpflicht bezeichnete. Etliche Kommentator*innen verkündeten ihren Kirchenaustritt, der jetzt überfällig sei. Und ich frage mich: Was haben diese Menschen von uns erwartet? Wie war es möglich, dass sie die Volkskirche für eine völkische Kirche halten konnten? - Die vielen Kirchenaustritte machen mir Sorgen. Aber in Zeiten, in denen sich die Gesellschaft so polarisiert, kommt auch die „Kirche für Alle" an ihre Grenzen. Wenn wir uns an den Taten und Worten Jesu ausrichten, werden uns nicht alle folgen können. Das ging unserem Meister selbst ja schon so, als er Klartext redete, denn: „Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens…" (Johannes 6, 66ff.). Wenn die Worte des ewigen Lebens in manchen Ohren „links" klingen, dann heißt es: allen Glaubensmut zusammennehmen, weiter reden und die ziehen lassen, die es nicht hören können. Nur schade, dass wir damit nicht viele „links" Gestimmte zu uns ziehen.

 

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