Familienbande

Der Pastor bloggt

Familienbande

Fragt man, was den Menschen heute wichtig ist, erscheint die Familie ziemlich weit oben im Ranking. Die Kirche hat sich fördernd und lange Zeit sogar fordernd hinter diese Hochschätzung gestellt, ganz gegen den Befund in ihrer Gründungurkunde. Denn im Neuen Testament schockiert Jesus die geneigten Leser*innen durch Seinen respektlosen Umgang mit Seiner Mutter (Johannes 2,4), sogar am Kreuz noch verweigert Er ihr die ihr gebührende Anrede (Johannes 19, 26), und Er bringt den nach passenden Texten suchenden Traupastor in Verlegenheit mit Seiner familenkritischen Frage: „Wer ist meine Mutter und meine Brüder?" (Markus 3, 33) Zur Ehe äußert sich Jesus nur quasi juristisch (Matthäus 19, 3ff.) und zieht ihr das Leben in Wahlverwandtschaft mit Seiner Jüngerschar vor. Der Verweis auf die hohe Scheidungsrate könnte genügen, um Jesu Zurückhaltung aktuell zu begründen. Aber der jüngst zu Ende gegangene Parteitag der Republikaner in den USA erscheint mir ein noch viel drastischeres Beispiel dafür zu sein, wie missbrauchsanfällig die Familienbande ist. In anderen politischen Systemen mag man es nicht anders erwarten. Dass aber in der bedeutendsten Demokratie der Welt sich eine Familienbande so schamlos inszenieren kann und für die Machtinteressen eines ihrer Mitflieder einspannen lässt, macht Jesu Skepsis gegenüber der Familie auch heute nachvollziehbar. Seine Alternative lautet: „Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter." (Markus 3,35)

 

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