Naturgott

Der Pastor bloggt

Naturgott


„Kirche brauch' ich nicht. Gott begegnet mir in der Natur" ist ein beliebtes Kirchenaustrittsargument. – Wir sind im Urlaub den Harzer Klosterwanderweg gelaufen. Der ist ein kleiner Bruder von Pilgerwegen, geht durch Wald und Feld, aber Gott ist mir nicht begegnet. Dass Gott sich so domestizieren ließe wie die Natur in unseren Breiten, halte ich für eine Wunschvorstellung des Zeitgeistes. Mir spiegelte die beeindruckende Kulurlandschaft eher etwas vom Vermögen des Menschen wieder, sich die Erde als Lebensraum zu erschließen, und vom Gesetz, nachdem die Bestandteile des Toten Bausteine für Lebendiges sind, das alles Individuelle zerfällt und das auch alles im Kollektiv bewahrte Geistige von jetzt an in spätenstens 1,1 Millliarden Jahren hinwegfegt sein wird von einer immer heißer werdenden Sonne. Diesem Gesetz entkommen zu können, das ist DIE revolutionäre Botschaft Gottes, der man auch in der wildesten Natur nicht begegnen kann, die aber in der Gemeinschaft der Kirche bewahrt wird: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten. Er ist nicht hier, er ist auferstanden." (Lukas 24, 5) Der tote Jesus wird mir zur Hoffnung auf mein unvergängliches Leben. Darum bin ich ein Mitglied der Kirche - das gern wandert. Beim Wandern im Harz ist mir allerdings dann doch noch eine Spur des Göttlichen begegnet: Die vom Borkenkäfer zerstörten Wälder wurden mir zum Gleichnis für den Gekreuzigten. Zu massiv hat der Mensch die Natur domestiziert, lokal und global, und muss nun die Folgen seines Tuns ansehen wie seine Schuld im Bild des toten Gottessohnes. Aber wie gesagt, es besteht Hoffnung, auch für den toten Wald, wie ich las.

 

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